Wenn Milch auf Antibiotika trifft

Lakritze,Goji-Beere oder Quark-manche Lebensmittel gehen mit Medikamente gefährliche Wechselwirkungen ein. Und auch die Kombination von Wirkstoffen untereinander birgt Sprengstoff

Fünf bis zehn Prozent aller Krankenhauseinlieferungen,so schätzen Experten,gehen auf das Konto sogenannter unerwünschter medikamentöser Interaktionen,kurz:Wechselwirkungen.

Diese können auftreten,wenn ein Patient zwei oder mehrere Medikamente gleichzeitig einnimmt.Dann kann es geschehen,dass sich die einzelnen Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen.Die Wirkung einer Arznei fällt so unter Umständen stärker aus als beabsichtigt und kann zu gefährlichen Überdosierungen oder schwersten Nebenwirkungen kommen.Manche Medikamente schwächen sich aber auch gegenseitig ab oder wirken gar nicht mehr.

Und einige Pflanzenstoffe und Lebensmittel verändern nachweislich die Heilwirkung medizinischer Substanzen.Wir sagen Ihnen,welche Kombinationen bedenklich sind und wie Sie solche Wechselwirkungen allgemein vorbeugen können:

 

Kombination Medikament und Lebensmittel  

 

Milchprodukte und Antibiotika

Milch,Käse und Quark setzen bestimmte Antibiotika (z.B. Tetracyclin)  und Osteoporose-Mittel  (sogenannte Bisposphonate) geradezu außer Gefecht.Auch Medikamente zur Behandlung von Schilddrüsenfehlfunktionen (z.B. Levothyroxin) sollten nicht gemeinsam mit Milchprodukten eingenommen werden.

Der Grund:Die Arzneiwirkstoffe gehen Verbindungen mit dem Kalzium der Milch ein,können dann die Darmwand nicht mehr passieren und  nur noch in zu geringer Dosis ins Blut aufgenommen werden. 

 

Grapefruit und Herzmedikamente

Grapefruit sind sehr gesund,doch sie können die Wirkung einer Reihe von Medikamenten erheblich beeinflussen.

Verantwortlich darfür sind Substanzen in der Frucht,sogenannte Furanocumarine,die den Stoffwechsel verlangsamen.Der Wirkstoffpegel im Blut erhöht sich dadurch um bis zu 30 Prozent.Betroffen sind Medikamente,die gegen Bluthochdruck (z.B. Amlopipin) oder in der Krebstherapie eingesetzt werden (z.B. Cisplatin) sowie cholesterinsenkende Mittel (z.B. Lovastatin) und einige Antibotika. Der Effekt tritt zwar meist erst zwei bis vier Stunden nach Verzehr der Frucht auf,hält aber bis zu 24 Stunden an.Bei Medikamenteneinnahme also lieber ganz darauf verzichten.

 

Goji-Beeren und Gerinnungshemmer

Die aus der chinesischen Küche bekannte Goji-Beeren (Bocksdornfrüchte)sind ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).Doch für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sie gefährlich. Der Grund: Sie enthalten eine ähnliche Wirkung wie Blutgerinnungshemmer (z.B. Phenprocoumon),die zur Vorbeugung von Herzinfakt und Schlaganfall verordnet werden. Folge: ein gefährlich erhöhtes Blutungsrisiko .

 

Lakritz und Medikamente gegen Immunerkrankungen

Schuppenflechte, Rheuma und kreisrunder Haarausfall, Colitis ulcerosa – viele Autoimmunerkrankungen lassen sich sogenannter Immunsupressiva behandeln (z.B. Ciclosporin ). Diese werden auch nach einer Organtransplantation verordnet, um Abstoßreaktionen zu verhindern. Doch der Wirkstoff hat einen gefährlichen Gegenspieler: Glycyrrhizin, ein Bestandteil von Lakritz, unterbindet die Wirkung der Medikamente und kann deshalb insbesondere für Transplantionspatienten  lebensbedrohlich werden.

 

Kombination Medikament und Medikament

ASS, Paracetamol und Diclofenac

Die Muskelschmerzen verschwinden am besten mit Paracetamol,aber bei Migräne hat Ihnen immer schon Ibuprofen zuverlässiger geholfen? Entscheiden Sie sich möglichst trotzdem für einen Wirkstoff zur Zeit. Denn unterschiedliche Schmerzmittel können gefährlich interagieren .So zeigen Studien: Die gleichzeitige Einnahme der Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS) und Diclofinac oder Ibuprofen kann die Magenschleimhaut angreifen und erhöht das Risiko für Magenblutungen und Geschwüre.Das gilt auch für das Zusammenspiel einiger Cortison-Präparate mit Diclofinac.

 

Heuschnupfenmittel und Antibiotika 

Wer die Symptome einer Pollenallergie mit Antihistaminika (z.B.dem Wirkstoff Terfenadin) bekämpft,sollte vorsichtig bei der Einnahme bestimmter Antibiotika (z.B.Erythormycin) sein. Denn diese können den Abbau des Medikaments in der Leber verlangsamen.Dadurch verbleibt der antiallergische Wirkstoff länger und in zu hoher Dosis im Körper und kann Übelkeit ,Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auslösen.Auch die Wirkung mancher Antiepileptika (z.B. Phenytoin) verstärkt sich durch Antibiotika-Einnahme.

 

Johanniskraut-Präparat und Antibabypille

Vor allem freiverkäufliche ,pflanzliche Präparate geraten nur selten in den Verdacht,in Wechselwirkung mit chemischen Medikamenten treten zu können.Doch auch Naturheilmittel bergen Risiken.So greift etwa das stimmungsaufhellende Johanniskraut in den Stoffwechsel ein und kann dadurch die Effizenz einer Krebsbehandlung (z.B.mit dem Wirkstoff Imatinib) empfindlich stören . Aber auch eine Reihe anderer Medikamente verliert in Kombination mit Johanneskraut an Wirkung: Neben der Antibabypille,einige Asthma-Medikamentete (z.B. Theophyllin) und Antidepressiva (z.B. Amitryptilyn)  sind vor allem Blutgerinnungshemmerr (z.B. Phenprocomon) und Medikamente gegen Herzmuskelschwäche (z.B. Digoxin) davon betroffen.

 

Hustensaft und Antidepressiva

Ein beliebter Wirkstoff zur Linderung von trockenem Reizhusten ist Dextromethorphan (DXM). Da dieser jedoch auf das Nervensystem wirkt,kann er den Effekt von Medikamenten, die zur Behandlung von Depressionen und Schlafstörungen angewendet werden (Z.B. Fluoxetin) massiv verstärken. Auch in Kombination mit einigen schmerzlindernden und antiepileptischen Medikamenten sollten Hustenstiller nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Anders als Arzneimittel,die den Hustenreiz stillen,wirken dagegen Präperate,die das Abhusten des Schleims fördern (z.B. Acetylcystein),aber auch sie können Probleme machen, weil die Wirkung einiger Antibiotika abschwächen (z.B. Tetracyclin) .

 

Quelle: Christiane Teetz