Joggen mit künstlichem Bein

 

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Quelle.planetwissen Laufprothese

 

 

 

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, und die triste Landschaft färbt sich wieder in saftiges Grün. Der Frühling ist mit großen Schritten auf dem Weg. Und nicht nur der, denn zahlreiche Lauffreunde treibt es wieder auf die Straßen, in die Parks oder unsere Wälder. Und so sehr man sich an den Anblick der zahlreichen Läufer auch schon gewöhnt hat, bei ein paar wenigen Läufern fällt sofort etwas auf, – „da passt doch was nicht“.

Aber ganz im Gegenteil, das passt sogar ziemlich gut (!), wiegt weniger als zwei Kilogramm und ist vorwiegend aus Kohle­faser gefertigt. Die Rede ist von amputierten Läufern, die mit ihrem künstlichen Bein „ganz normal“ joggen. Sie nutzen eine Sportprothese.

Denn nicht nur im paralympischen Leistungssport gibt es diese C-förmig geschwungene und auf den ersten Blick etwas futuristisch aussehende Beinprothese, sondern auch bei aktiven Prothesenträgern findet sie immer mehr Anklang. Warum auch nicht, denn die Zeiten, in denen man durch eine Amputation in seinem Sport maßgeblich eingeschränkt wird, sind vorbei. Die technischen Möglichkeiten, die heute über sogenannte High-Tech-Passteile der Orthopädie-Technik zur Verfügung stehen, bleiben nicht mehr weiterhin einigen ausgewählten Topathleten vorbehalten.

Technik, die laufen kann?

Was ist eine Sportprothese – was ist der technische Kniff? Im Prinzip ist es ganz einfach: Sie muss passen! Natürlich ist es selten so einfach, aber rein praktisch muss die Prothese lediglich in einer anderen Art der Fortbewegung das fehlende Bein bestmöglich nachempfinden und ersetzen.

Wichtigster Punkt ist, wie auch bei einer sogenannten Alltagsprothese, eine optimale Verbindung vom Körper zum künstlichen Unterschenkelersatz, das heißt Prothese. Die Prothese muss „gut sitzen“. Eigentlich klar: Auch gesunde Zweibeiner können nicht mit lockeren Schuhen joggen. Häufig wird für die Verbindung ein Unterdruck-System verwendet, das die Verbindung von Körper und Technik über ein Vakuum sicherstellt. Fehlt dem Sportler nicht „nur“ der Unterschenkel, sondern auch das Kniegelenk, muss die Prothese auch die Bewegung des Knies technisch nachahmen. Es muss durch Technik ersetzt werden und für Bewegung wie Belastung im Sport optimal ausgewählt und eingestellt sein.  Die Einstellung sichert, dass sich das Knie ebenso leicht beugen lässt, wie es im rechten Moment fest gehalten wird – man also zum Beispiel nicht im falschen Moment „in die Knie geht“. Auch hier muss der Techniker alles individuell auf die speziellen Anforderungen des Sportlers anpassen.

Carbon, das springen kann?

Das größte Bauteil einer Sportprothese:  Die Carbonfeder. Durch ihr leichtes und trotzdem sehr flexibles Material ahmt sie den Abdruck des Sprunggelenks wirkungsvoll nach. Hier ist das Material und seine Form und damit Spannung entscheidend. Für das runde Laufbild wird in enger Abstimmung mit dem Techniker die „richtige“ Härte der Feder ermittelt. Die Härte hängt ganz individuell vom Läufer ab. Ist die Feder zu weich, „sackt man zu stark ein“, ist sie zu hart, spürt man jeden Schritt als Schlag im Rücken, und das Laufen kostet unglaublich viel Kraft. Wichtigste Aspekte sind hierbei das physiologische Abrollverhalten, die Einstellung der Prothesenlänge und die gleichmäßige Schrittlänge. Daher wird selbstverständlich die Prothese nicht im Stehen, sondern beim Laufen eingestellt. Hier müssen Techniker und Läufer die verschiedenen Feder-Modelle der Hersteller durch Tests herausfinden. Haben Techniker und Läufer die optimale Laufprothese gefunden, kann man loslegen. Denn das Wichtigste ist und bleibt wie für jeden anderen Sportler auch: Trainieren, trainieren, trainieren – denn eine Sportprothese allein kann weder laufen noch springen.

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Bild Stefan Droste

„Der statische Aufbau der Prothese unterscheidet sich deutlich von dem einer Alltagsprothese, und deshalb empfiehlt es sich, bei den ersten Laufversuchen auf einen speziell in Sportprothesen erfahrenen Orthopädie-Techniker zu vertrauen.“