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MPU-Test bei behinderten Menschen-das gilt zu beachten

MPU-Test bei behinderten Menschen – das gilt es zu beachten

Für Menschen mit einer Behinderung ist der Führerschein weit mehr als eine Fahrerlaubnis: Damit eröffnet sich für viele eine neue Welt. Man ist unabhängig, mobil und fühlt sich frei. Und wenn die medizinischen Voraussetzungen gegeben sind, hat auch jeder behinderte Mensch das Recht, den Führerschein zu erwerben. Zuvor wird manchmal allerdings eine MPU verlangt. Wir wollen Ihnen mit diesem Beitrag die Angst davor nehmen.

Was ist die MPU?

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) ist die Begutachtung der Fahreignung eines Autofahrers. Umgangssprachlich wird sie noch manchmal als “Idiotentest” bezeichnet, was allerdings in die völlig falsche Richtung zielt: Mit einem Intelligenztest hat die MPU gar nichts zu tun.

Die Untersuchung besteht aus drei Teilen: der medizinischen Untersuchung, dem Leistungstest am Gerät und dem psychologischen Gespräch.

Im medizinischen Teil geht es um das Erfassen der körperlichen Befunde. Wie ist es um das Seh- und Hörvermögen bestellt? Gibt es Probleme mit Herz-Kreislauf, dem vegetativen Nervensystem usw.?

Um den Reaktionstest oder Leistungstest der MPU ranken sich einige Mythen, vor allem, dass er nur schwer zu knacken sei. Aber keine Sorge: Man kann vorher üben und die Durchfallquote ist in den vergangenen Jahren immer weiter abgesunken. Im Test werden Reaktionszeit, Auffassungsgabe, ein sicheres Auge, Genauigkeit und Konzentrationsvermögen überprüft.

Auch das Gespräch mit dem Psychologen ist für einige Menschen eine große Herausforderung. Sie befürchten, dass man ihnen Defizite assistiert, welche dann den endgültigen Verlust des Führerscheins bedeuten. Die kognitiven Fähigkeiten wie die Orientierungsfähigkeit spielen vor allem bei Personen mit neurologischen Handicaps eine wichtige Rolle.

Wenn Sie sich mit unten stehenden Tipps vorbereiten, fühlen Sie sich allerdings für die psychologische Untersuchung viel besser gewappnet.

Wann und warum ist eine MPU notwendig?

Eine MPU kann Menschen mit Handicap auf zwei Arten begegnen: Zum einen – wie nicht behinderten Autofahrern auch –, wenn sie mit zu viel Alkohol (ab 1,6 Promille Blutalkohol) oder Drogen am Steuer erwischt wurden oder 8 Punkte für Verkehrsverstöße in Flensburg gesammelt haben. Dann ist der Führerschein je nach Schwere des Vergehens für eine gewisse Zeit erst einmal weg. Um ihn nach der Sperrfrist wieder zu bekommen, wird von der Führerscheinstelle dann die Fahreignung mittels MPU gefordert.

Die Untersuchung kann jedoch auch Teil des eigentlichen Erwerb bzw. Erhalt der Fahrerlaubnis sein. Möchten Sie als behinderter Mensch gern das Autofahren lernen, steht Ihnen nämlich ein Hindernis bevor: Sie brauchen eine Bescheinigung über die Verkehrssicherheit. Ausstellen kann sie der Facharzt mit verkehrsmedizinischer Zusatzausbildung (Orthopäde, Neurologe) oder der Psychologe. Auch eine Fahrprobe beim TÜV oder einem ähnlichen Sachverständigen vorab kann von der Führerscheinbehörde verlangt werden. Die entsprechende Stelle Ihrer Kommune gibt Ihnen Auskunft darüber.

Der Weg zur Fahrschule kann also nur mit entsprechenden Voraussetzungen angetreten werden. Sie sollten sich deshalb unbedingt eine Fahrschule aussuchen, die Erfahrungen mit Menschen mit Handicap hat und einige Tipps zum Erreichen Ihres Zieles bereithält, eigenständig mobiler zu sein.

Haben Sie einen Unfall erlitten oder sind Sie chronisch schwer erkrankt und sind danach in Ihrer Mobilität eingeschränkt, kann die Führerscheinstelle ebenfalls die Eignung zum Führen eines Kfz verlangen sowie Autoumrüstungen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Zum medizinischen Gutachten könnte so auch ein technisches Gutachten erforderlich sein, das aufführt, welche Hilfsmittel und Umbauten individuell für das Führen eines Kraftfahrzeuges notwendig sind. Oft sind nämlich im Vorfeld spezielle Autoumbauten zwingend, damit man den Wagen bedienen kann.

Zusammengefasst: Ob Sie nun ein Führerscheinanwärter mit Handicap sind oder aufgrund einer neuen gesundheitlichen Situation Ihre Fahrerlaubnis überprüfen lassen müssen – wenden Sie sich an Ihre zuständige Führerscheinstelle, um zu erfahren, ob auch Sie sich einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung unterziehen müssen. Im Zweifelsfall fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, was er Ihnen bezüglich Ihres Handicaps rät.

Tipps: Wie bereite ich mich auf die MPU vor?

Das Wichtigste: locker bleiben. Ja, der Sie wollen Ihren Führerschein unbedingt, aber je unverkrampfter Sie in die MPU gehen, um leichter können Sie sich konzentrieren und vermitteln vor allem ein realistisches Bild von sich. Vielleicht helfen Ihnen Entspannungs- oder Atemübungen. Auch das Traning mit vertrauten Personen bringt ein Stück Selbstbewusstsein.

Hilfreich kann es für Sie auch sein, wenn Sie die Fragen kennen, die im Allgemeinen auf Sie zukommen.

Überprüft werden:

  • Ihr allgemeiner körperlicher Zustand
  • die eingeschränkten körperlichen Merkmale, z.B. Augen oder Ohren oder Gliedmaßen
  • frühere medizinische Befunde (bitte die dafür notwendigen Unterlagen mitbringen)
  • psychische Komponenten bei neurologischen Erkrankungen
  • die verordneten Medikamente und deren Auswirkungen auf den Körper

Auch Ihr Verhältnis zu sich selbst spielt ein wichtige Rolle: Wie kommen Sie mit Ihrem Handicap zurecht? Wie meistern Sie Ihren Alltag?

Im Internet gibt es kleinere Tests, um vorab zu üben. Auch Gesprächsstunden mit einem Psychologen vor der eigentlichen MPU sind für einige Menschen nützlich. Diese kosten allerdings bis zu 100 Euro pro Sitzung, die Sie aus eigener Tasche bezahlen müssen. Die Anbieter der MPU wie TÜV und Dekra organisieren Vorbereitungskurse, um den Teilnehmern die Angst zu nehmen und mit ihnen die möglichen Fragen durchzuspielen. Ganz ohne Vorbereitung in die Prüfung zu gehen, ist nicht sinnvoll. Schließlich steht jeder Teilnehmer einer MPU unter gewissem Druck, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Was kostet eine MPU?

Je nach Grund der Anordnung einer MPU fallen unterschiedliche Kosten an. Günstig ist der Test aber nicht. Hier einige Beispiele:

  • 8 Punkte in Flensburger Verkehrssünderkartei: 447,48 Euro
  • Fahren unter Alkoholeinfluss 402,22 Euro
  • Fahren unter Drogeneinfluss 554,54 Euro
  • Fahren unter Drogen- und Alkoholeinfluss 755,65 Euro

Dazu kommen weitere Kosten: Analysen für Haarproben oder Gutachten, um zum Beispiel zu beweisen, dass Sie keine Drogen mehr nehmen. Auch die oben erwähnte Vorbereitung kann teuer werden. Fallen Sie bei der ersten MPU durch, dürfen Sie die Prüfung nach einer gewissen Zeit wiederholen – müssen dann aber auch erneut zahlen.

Fazit

Menschen mit Handicap müssen auf zwei Arten mit der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) rechnen: Zum einen wird die MPU nach einer Alkohol- oder Drogenfahrt für den Verkehrssünder verhängt. Zum anderen kann sie auch Teil der Bescheinigung über die Verkehrssicherheit sein. Diese müssen behinderte Personen vor dem Erwerb des Führerscheins vorlegen, um ihre Fahreignung nachzuweisen. Auf eine MPU sollte man sich immer gezielt vorbereiten, denn schließlich geht es hier darum, selbständig (wieder) Autofahren zu können. Spezielle Vorbereitungskurse helfen Ihnen dabei. Die Führerscheinstelle Ihrer Stadt informiert Sie über notwendige Unterlagen und Angebote. Wer mit einer körperlichen Einschränkung das Autofahren lernen möchte, für den können zudem Autoumrüstungen erforderlich sein. Dazu weiß die Fachwerkstatt am besten Bescheid.

 
Quelle:HandicapAuto.de
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